Große Gefühle auf Mallorca
Ein kleines Weingut unter spanischer Sonne, eine zweite Chance für die Liebe und ein bittersüßes Geheimnis – der neue humorvolle Wohlfühlroman über einen Neuanfang auf Mallorca mit einer Protagonistin über 40!
Ankunft: Planlos. Aussicht: Traumhaft. Gefühle: Hochprozentig.
Lilly liebt Struktur, edle Tropfen und ihren Job als Önologin in einem badischen Weingut. Doch als ausgerechnet ihr Ex-Freund ihr die Beförderung vor der Nase wegschnappt, tauscht die 42-jährige kurzerhand die deutsche Ordnung gegen das temperamentvolle Chaos einer kleinen Bodega auf Mallorca ein.
Zwischen knorrigen Rebstöcken, duftendem Lavendel und Hitzeflimmern trifft sie auf Gabriel. Der charmante Mallorquiner sieht zwar aus wie ein Beachboy, hütet sein Herz aber so eisern wie den besten Jahrgang im Keller. Während Lilly mit einer wagemutigen Idee und ihrer liebenswerten Tollpatschigkeit das Weingut Terra d’Estels auf den Kopf stellt, sprühen zwischen ihr und Gabriel mehr als nur Funken.
Doch die idyllische Welt der Bodega ist in Gefahr, und Lilly muss sich fragen: Lohnt es sich, zu kämpfen? Ist sie nur eine Besucherin auf Zeit – oder hat sie ihr Herz längst an die Insel und an Gabriel verloren?
Ein Liebesroman wie ein Abend in einer spanischen Bodega: warm, berauschend und viel zu schnell vorbei.
Alle romantischen Wohlfühlromane aus der Serie „Große Gefühle auf Mallorca“ können unabhängig voneinander gelesen werden!
»Nur kurz reinspringen«, bekräftige ich, »dann muss ich zurück.« Wir sind mit zwei Autos gefahren, so können sie länger bleiben. Alle drei präsentieren sich braungebrannt nach einer Woche täglichen Sonnenbadens, während ich mich für meinen ziemlich weißen Bauch schäme und das halb durchsichtige türkise Strandkleid, das endlich seiner wahren Bestimmung zugeführt wird, gar nicht ausziehen möchte. Aber als ich endlich das Meer vor mir sehe, kenne ich kein Halten mehr, lasse die Tasche in den weißen Sand fallen und reiße mir den Stoff vom Leib. Ohne auf etwaige verwunderte Blicke zu achten, renne ich jauchzend in die Wellen, tauche mit einem Kopfsprung unter. Augenblicklich wird die Welt still. Das Salzwasser brennt in meinen offenen Augen, ein Fischchen flüchtet. Ich nehme ein paar kräftige Schwimmzüge und tauche wieder auf. In Ermangelung einer pinken Luftmatratze drehe ich mich auf den Rücken und lasse mich so treiben, Ohren unter Wasser, Arme ausgebreitet. Lasse die Sonne auf mein Gesicht brennen. Lecke mir das Salz von den Lippen. Schaukle friedlich auf und ab. Bis etwas platschend neben mir landet und mich aufschreckt. Ein Volleyball.
»Schlafen kannst du in deinem Bett!«, ruft Mieze und spritzt mich an. Ich spritze zurück, und dann liefern wir uns zu viert eine Wasserschlacht, vier Frauen im mittleren Alter, die wie die kleinen Kinder kreischen und lachen. Man wird uns für verrückt halten – und es war mir noch nie so egal. Ich fummle das Gummi aus meinen Haaren, tauche rückwärts den Kopf unter Wasser und lasse sie im Wellengang treiben wie Seegras. Wie neugeboren fühle ich mich; fehlt nur, dass jemand ein Kreuz auf meine Stirn zeichnet. Endlich Meer!
Als wir nach unserem Bad auf unseren Tüchern liegen, vergrabe ich meine Zehen im Sand. Meine Haut duftet nach Kokos-Sonnencreme, von irgendwoher dringt der Geruch von Bikinis, den in Butter goldbraun und knusprig gebratenen und mit geschmolzenem Käse und Schinken gefüllten Toasts.
»Ich will nicht nach Hause«, nuschelt Tanja neben mir in ihr Strandtuch, dreht sich um und stützt sich auf ihren Ellbogen. »Was du für ein Glück hast, Lilly!«
»Wenn ich du wäre, würde ich direkt hierbleiben«, doppelt Mieze nach und räkelt sich.
Ich schaufle warmen Sand von einem Fuß auf den anderen. Hierbleiben. Der Gedanke hat mich schon das eine oder andere Mal gestreift. So wie meine Freundinnen eben, so wie man im Urlaub eben denkt, für immer im Paradies bleiben zu können. Aber in der Realität? Das Leben hier besteht nicht nur aus Strand und Faulenzen.
»Und Maya?«, frage ich vor mich hin und merke, dass es dieselbe Frage ist, die ich mir gestellt habe, als Matthias nach Kalifornien gehen wollte.
Jelena wirft mir eine kleine Muschel an den Kopf. »Maya ist erwachsen und selbstständig«, antwortet sie, was Matthias mir damals geantwortet hat. Was Maya selbst mir bestätigt hat. Und sie haben natürlich alle recht. Aber sie ist immer noch mein Kind, das ich allein großgezogen habe. Einfach mal tausend Kilometer zwischen uns legen?
»Wir müssen unsere Kinder losfliegen lassen«, sagt Tanja. Sie hat leicht reden, ihre Zwillinge sind erst vierzehn. »Und manchmal müssen wir auch selbst losfliegen. Neue Abenteuer in Angriff nehmen. Du hast die Möglichkeit bekommen. Und dann ist da doch auch noch Gabriel, oder?« Sie zwinkert und ich setze rasch meine Sonnenbrille auf. Abenteuer … Dafür bin ich nicht der Typ. Ich habe Marionas Angebot angenommen, weil ich wusste, dass es befristet ist. Dass ich in mein altes Leben zurückkehren würde. Das hat mir Sicherheit gegeben. Hier weiß ich weder, ob das Weingut am Ende meines Aufenthalts noch existieren wird, noch, ob Gabriel und ich … Ich stecke mir eine Haarsträhne in den Mund und sauge an dem salzigen Ende.
»Ich bin doch gerade mal zwei Wochen hier«, sage ich. Was mir noch zehn Wochen gibt, eine Entscheidung zu treffen.
Darüber, in mein sicheres Nest in Deutschland heimzukehren. Zu der Lilly mit den streng in einen Zopf gezwängten Haaren. Der strukturierten Lilly.
Oder darüber, diese Lilly loszulassen. Die Haut abzuwerfen, um wachsen zu können. Wie Godzilla.
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