Ein aufwühlendes Stück Schweizer Geschichte

Bis wir unsere Stimme finden

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Taschenbuch
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Was würdest du tun, wenn dir alles genommen wird, Familie, Identität, Würde, Zukunft? Schweigen? Oder aufstehen und kämpfen?

Als Kinder werden Fanny und Jakob vom Staat an Bauern verschachert. Eine Zeit voller harter Arbeit und Entbehrungen, aber sie haben einander. Nie allein, schwören sie sich, doch dann lenkt ein tragisches Unglück ihr Leben in zwei völlig unterschiedliche Richtungen.

Fünfzehn Jahre später, 1968, stehen sie sich in Zürich überraschend wieder gegenüber. Um sie herum demonstrieren Studenten für mehr Freiheiten und Frauen für ihr Stimmrecht. Während Jakob in den Unruhen seine Chance sieht, sich für das an ihnen verübte Unrecht zu rächen, klammert sich Fanny an den konservativen Traditionen fest – bis sie erneut alles zu verlieren droht. Wird sie es schaffen, ihre Stimme zu erheben, für sich, die Frauen der Schweiz und die Liebe zu Jakob?

Ein aufwühlendes Stück Geschichte, der Kampf der Schweizer Frauen um ihr Stimmrecht und eine Liebe, die unmöglich scheint.

Frau Berzeli kam näher. Ihr Blick spießte Jakob auf, als wäre er ein Ungeziefer, und der Griff, der sich um sein Kinn legte, war hart. Sie drehte sein Gesicht grob hin und her, befahl ihm, den Mund zu öffnen, und rümpfte beim Anblick seines halben Ohres die Nase. Fast hätte er zurück gerümpft. Fanny trat einen Schritt nach hinten, als die Bäuerin nach ihr griff, aber Frau Meier legte ihr die Hand auf den Rücken und schob sie nach vorn.

»Die können Sie grad wieder mitnehmen«, sagte Frau Berzeli und zog ihre Hand zurück, bevor sie Fanny auch nur angefasst hatte. »Die will ich nicht.«

Frau Meier wedelte hektisch mit der Hand vor ihrem Gesicht herum. »Aber …«

»Was hat die denn für Augen? Bringen Sie mir ein anständiges Mädchen. Der Bub kann bleiben.«

»Jakob. Ich heiße Jakob«, sagte Jakob höflich und hoffte, dass sie nicht hören könnte, wie sehr ihn ihre Worte erschreckten. »Und meine Schwester kann gut kochen, nähen und putzen, sie wird Ihnen bestens im Haushalt helfen können.« Es war eine Lüge, Fanny konnte nichts davon gut, warum nur hatte sie nicht besser aufgepasst, als Grete sie unterrichtet hatte?

Ein Mann kam mit schweren, müden Schritten von irgendwoher über den Hof, stellte sich neben Frau Berzeli und nickte ihr in einer stummen Aufforderung zu, ihm zu erklären, was los war.

»Die neuen Verdingkinder. Ich will das Meitli nicht. Es hat den bösen Blick.«

Der Bauer starrte sie an, zehn Sekunden, zwanzig, in denen Jakobs Herz viel zu schnell schlug und er sich wünschte, die Gedanken des Mannes beeinflussen zu können. Frau Berzeli schwieg, Frau Meier schwieg, Fanny schwieg sowieso und sogar die Fliege war verschwunden. Jakob wollte nicht hier sein, aber wenn er schon musste, dann zumindest mit Fanny. Er hatte versprochen, auf sie aufzupassen, und dieses Versprechen würde er nie brechen. Und außerdem hatte er sich in den letzten zwei Jahren so an den Gedanken gewöhnt, eine Schwester zu haben, dass es sich anfühlte, als ob seine Lüge Wahrheit geworden wäre.

Selbst in der Schweiz aufgewachsen, fiel das Wort „Verdingkinder“ ab und zu in den Nachrichten oder der Zeitung, und irgendwie habe ich es gespeichert, denn als ich vor drei Jahren nach einem Thema suchte, das ich in Verbindung mit der Schweiz zu einem historischen Roman verpacken könnte, fiel mir das Schicksal dieser Kinder sofort wieder ein. Und nachdem ich beim Recherchieren feststellte, wie wenig bekannt dieses Thema selbst in der Schweiz war, wusste ich, dass ich diesen Menschen eine Stimme geben wollte.

Natürlich sind meine Charaktere völlig fiktional, und natürlich geschieht ihnen allerhand Schlimmes, aber vieles davon ist wirklich mehr oder weniger so geschehen, noch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts – im Herzen Europas.

Ebenso interessant fand ich die Tatsache, dass ein demokratisches und so fortschrittliches Land wie die Schweiz so lange brauchte – bis 1971 –, um ihren Frauen das Stimm- und Wahlrecht zu gewähren.

Die einen verloren ihre Stimme, die anderen kämpfen dafür.

Bis wir unsere Stimme finden, Roman von Astrid Töpfner. Ein aufwühlendes Stück Geschichte über Verdingkinder

Leserstimmen

Und so sah es vor Ort aus

Bis wir unsere Stimme finden, Roman von Astrid Töpfner. Ein aufwühlendes Stück Geschichte über Verdingkinder
Irgendwo in der Schweiz
1945
Bis wir unsere Stimme finden, Roman von Astrid Töpfner. Ein aufwühlendes Stück Geschichte über Verdingkinder
Zürich
1968
Bis wir unsere Stimme finden, Roman von Astrid Töpfner. Ein aufwühlendes Stück Geschichte über Verdingkinder
Zürich
1970
Bis wir unsere Stimme finden, Roman von Astrid Töpfner. Ein aufwühlendes Stück Geschichte über Verdingkinder
Zürich

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