Ein bewegender Frauenroman über Freundschaft und Hoffnung

Die Frau des Spatzen

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Taschenbuch
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Ein bewegender Frauenroman über die Kraft der Freundschaft und die Hoffnung auf ein langersehntes Wiedersehen.

Josefina ist 78 und will sterben. Alba ist 28 und steht kurz davor, alles zu verlieren, was ihr wichtig ist, dabei will sie doch einfach endlich im Leben ankommen. Als die beiden grundverschiedenen Frauen aufeinandertreffen, ist ihnen noch nicht klar, dass sie mehr verbindet, als sie ahnen. Aber je tiefer die schrullige Josefina mit Alba in ein dunkles Kapitel Spaniens eintaucht, desto stärker wird das Bedürfnis der jungen Reporterin, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen. Im Hintergrund jedoch tickt die Uhr, denn es fehlen nur zwei Wochen bis zu dem Tag, vor dem sich beide fürchten …

Vergangenes, das endlich ans Tageslicht kommt, ein Spatz, der mehr ist als nur ein Vogel …

Josefina wusste ganz genau, wie weit sie die Fensterläden aufstoßen musste, um das richtige Licht zu erzeugen. Jeden Monat ein wenig mehr oder weniger, und es funktionierte nur bei Sonnenschein. Nach einigen bewölkten Tagen war es heute endlich wieder so weit. Zart zupfte die Vorfreude an ihren Mundwinkeln. Anfang Juni, elf Uhr morgens, es duftete bereits nach warmer Erde und der Glyzinie und den wilden Rosen, die die Gartenmauer emporrankten, und ein paar Minuten lang blieb Josefina so stehen, am offenen Fenster, die Augen geschlossen. Ein Moped knatterte in der Nähe vorbei und die Vögel zwitscherten zwischen den dunkelgrünen Blättern des Feigenbaums. Weiter entfernt lachten und schrien die Kinder des Horts auf dem Pausenhof. Die Musik des Lebens. Mit einem letzten tiefen Einatmen schloss sie erst das Fenster, dann die Türen, die vom Wohnzimmer aus in die anderen Zimmer führten, und öffnete den Vogelkäfig.

»Ven, Rafael, komm. Tanz mit mir.«

Der zahme Spatz hüpfte im Käfig hin und her und piepste aufgeregt. Sie ließ ihm Zeit. Er war schon immer schüchtern gewesen. Ruhig schritt sie zum Grammofon, hob den Deckel. Summte die Melodie, die sie bereits seit dem Aufstehen begleitete – hatte sie von ihr geträumt? Im Regal blätterte sie durch die Plattensammlung, bis sie das Gesuchte fand. Diese Scheibe hatte sie schon lange nicht mehr gehört, sehr lange. Behutsam blies sie darüber. Ein Ritual. Der Staub flog hinein in den Streifen Sonnenlicht. Eine Vogelfeder, hellbrauner Flaum, wirbelte empor und schwebte scheinbar schwerelos in der Luft, gehalten nur von Erinnerungen. Losgelöst von der Schwerkraft der Realität. Sie waren überall, die Federn. Und der Staub. Und die Erinnerungen.

Der Spatz flatterte aus dem Käfig. Vom Stuhl hüpfte er auf das Regal und blickte Josefina mit seinen dunklen Äuglein an, ruckelte mit dem Kopf hin und her, tschilpte, als wollte er sie nun antreiben, nachdem er sich doch erst geziert hatte. Sie lächelte sanft, Geduld, mein Lieber, wir haben keine Eile. Die Zeit, so sehr man auch wollte, verging nicht schneller, wenn man hetzte. Wenn es etwas gab, das sie in den letzten fünfundzwanzig Jahren gelernt hatte, dann das. In den letzten vierundzwanzig Jahren, elf Monaten und zwei Wochen, korrigierte sie sich.

Die Nadel kratzte auf dem Vinyl. Das Geräusch war sein Signal, der Spatz kannte es zur Genüge. Er schlug mit den Flügeln, einmal, zweimal, und flatterte auf Josefinas Schulter. Die Sonne schnitt in einer schmalen Linie durch den Raum, davor Dunkelheit, dahinter Schatten. Ein schmaler Streifen, ein blinder Spiegel, der nur schluckte, aber nicht reflektierte. Die glasierten Terrakottafliesen unter ihren nackten Füßen waren kalt, dann warm, als sie in die Helligkeit hineinstieg, um ihre Haltung einzunehmen: langer Rücken, Schultern nach unten, Kopf nach oben. Wenn sie die Arme bewegte, floss das Licht mit all seinen Erinnerungen darin um sie herum und sie fühlte sich umarmt. Fühlte seine Umarmung, als stünde er direkt vor ihr. Ihr Herz öffnete sich.

»Hola Rafael«, wisperte sie. Die Streicher setzten ein, ein Bass zupfte den Rhythmus und dann begann Nina Simone mit ihrer kernigen Stimme zu singen.

Der schleppende Takt zog an ihren Füßen. Zärtlich wiegte sich Josefina zu den klagenden Klängen, flüsterte den Text mit. I put a spell on you. Die Augen geschlossen, flüsterte sie ihre Sehnsucht in das Ohr ihres Geliebten, nicht hier und doch überall präsent. Sie beschwor die Bilder herauf, Rafael und sie, jung, voller Lebensfreude trotz der widrigen Umstände. Die Sechzigerjahre in Barcelona, eine Liebe zwischen Gewinner und Verliererin eines Krieges, der damals bereits seit über zwanzig Jahren vorbei war und in den Köpfen der Menschen dennoch weiter existierte. I put a spell on you. O ja, Rafael, er hatte sie verzaubert. Oder vielleicht war es doch ein Fluch gewesen?

Die Nadel sprang und riss Josefina abrupt aus ihren Gedanken. Das Licht war weitergewandert und hatte sie im Schatten stehen gelassen. Sie fror.

»Rafael«, flüsterte sie und strich dem Spatzen vorsichtig über die zerbrechliche Brust. Er piepste leise zurück.

Leserstimmen

Und so sieht es vor Ort aus:

Barcelona
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Juni 2012
Josefinas Garten
Juni 2012
Josefinas Lieblingslicht
Juni 2012
Barcelona
Juni 2012

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